Nolan Schaefer, der am kommenden Sonntag seinen 32. Geburtstag feiert, spielt seit dieser Saison in Ambri. Der Goalie mit NHL-Erfahrung ist Kanadier, hat aber Schweizer Vorfahren. Im Interview mit hcap.ch erzählt er über seine bisherige Karriere in Nordamerika, wie es zu seinem Wechsel nach Ambri kam und was ihm hier so speziell gefällt.
Michael Derungs: Nolan, herzliche Gratulation zum gestrigen Sieg in Zug! Es war eine grossartige Leistung von dir und vom ganzen Team! Wie war es möglich, auswärts beim Leader zu siegen?
Nolan Schaefer: Es war nur möglich mit einer grossen Teamleistung. Der Trainer hat vor dem Spiel eine ernsthafte Reaktion von uns gefordert, und als Mannschaft zeigten wir diese Reaktion. Wir zeigten grossartige Einzelleistungen, aber hielten stets an unserem System fest. Wir hatten realisiert, dass jetzt ein Ruck durchs Team gehen muss, um die Playoffs zu erreichen.
Also hat noch niemand die Hoffnung für die Playoffs aufgegeben?
Definitiv nicht! In unserer Kabine ist jeder ein Kämpfer. Und auch wenn wir vielleicht ein paar Punkte zurück liegen, wir sind noch nicht aus dem Rennen. Wir werden weiterkämpfen und unser Bestes geben, da wir uns alle der Bedeutung einer Playoffqualifikation für uns und für Ambri bewusst sind.
Du bist nun seit mehr als drei Monaten in Ambri. Und du hast auch schon am Tryout Camp in diesem Sommer teilgenommen. Kannst du uns kurz erzählen, was in dieser Zeit alles geschehen ist?
Ich wurde in das Tryout eingeladen, um einen Eindruck über die Schweiz und über Ambri zu erhalten. Sicher auch wollte das Staff von Ambri mich sehen, um sicher zu sein, ob ich der Richtige fürs Team sein würde. Ich kam, trainierte und spielte, schaute auch einige Spiele und traf das Team. In meiner Freizeit erkundete ich einige Sehenswürdigkeiten wie die Wasserfälle von Biasca. Ich begutachtete auch Ambris historisches Hockeystadion. Und offensichtlich gefiel mir einfach alles hier!
Du bist Kanadier, deine Grosseltern aber sind Schweizer. Kannst du uns etwas über deine persönliche Beziehung zur Schweiz, bevor du nach Ambri kamst, erzählen?
Vor diesem Jahr wusste ich nie wirklich viel über die Schweiz. Mir war bekannt, dass ich ursprünglich Deutschschweizer bin, und ich kannte meinen Grossvater, einen grossartiger Menschen mit einem starken schweizerdeutschen Akzent. Ich träumte immer davon, in der NHL zu spielen. Diesen Traum konnte ich auch erfüllen. Ich wusste auch immer, dass es hier in der Schweiz ebenfalls eine grossartige Hockeyliga gibt, aber ich hörte auch, dass es als Nordamerikaner schwierig sei, hier eine Chance zu erhalten. Mein Bruder und mein Agent begannen, sich genauer über die Schweiz zu informieren, da sie wussten, dass die Möglichkeit da war, hier zu spielen und zu unseren Wurzeln zurückzukehren. Es ist sehr aufregend, dass ich momentan da lebe und arbeite, wo ich ursprünglich herkomme. Im Moment lerne ich Italienisch, und in Zukunft hoffentlich auch Deutsch. Alles in allem ist es einfach toll, hier zu sein und viel über die Schweiz zu erfahren.
Ist zwischen Ambri und anderen Vereinen, für welche du schon gespielt hast, ein grosser Unterschied?
Ja, ohne Zweifel. Der grösste Unterschied ist die ganze Tradition und die familiäre Atmosphäre. Es ist schon fast nostalgisch. In Nordamerika zu spielen ist super. Aber das Hockey dort ist strikt geschäftsmässig geprägt. Ich sage nicht, dass dort keine Tradition vorhanden ist. Ich bin von Kanada, und da gibt es eine grosse Hockeytradition. Aber das Gefühl, dass du kriegst, wenn du in Ambri spielst, ist wirklich dies einer Familie. Als würdest du für 7000 Brüder und Schwestern auf den Rängen spielen. Es ist das Gefühl einer Leidenschaft, welche ich noch nie hatte in meiner bisherigen Karriere.
Du hast auch schon sieben Spiele in der NHL bestritten, und du spieltest gut. Was für ein Gefühl ist es, in der besten Liga der Welt zu spielen, von welcher jeder junge Hockeyspieler träumt?
Es waren die schönsten Momente meiner Karriere. Ich hatte nie so viel Spass und sosehr das Gefühl, etwas Grosses vollbracht zu haben, wie dann. Und das war mein Lebenstraum. Man weiss nie, vielleicht bin ich eines Tages wieder in der NHL, aber im Augenblick sind mein gesamter Fokus und all meine Prioritäten hier in Ambri.
Wie ich schon sagte, du warst in diesen sieben Spielen sehr gut. Fünfmal habt ihr gewonnen, und im Schnitt erhieltest du lediglich 1,88 Tore pro Spiel. Warum war dies nicht genug, um weiter in der NHL zu spielen?
Wirklich sicher bin ich mir da nicht. Ich stelle mir diese Frage seit damals, also seit sechs Jahren. Aber manchmal funktionieren Sachen einfach nicht. Ich denke, es war halt die Sache mit zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Wir hatten gerade die Lockout Saison. Wenn diese nicht gewesen wäre, wäre ich nach meiner besten Saison ein „free agent“ gewesen, hätte also ohne Einschränkung mit anderen Vereinen verhandeln können. Ich denke, dann hätte ich einen Einwegvertrag, oder zumindest sonst eine bessere Chance gekriegt, um in der NHL spielen zu können. Aber wegen dem Lockout erhielt ich keine Kredits für eine gespielte Saison in meinem Spielerstatus und daher war ich ein „restricted free agent“. Das bedeutet, dass San Jose weiterhin die Rechte an mir besass, welche aber mit Toskala und Nabokov bereits zwei gestandene NHL Torhüter zur Verfügung hatte. Ich habe auch das Gefühl, dass ich vielleicht in Minnesota eine gute Chance gehabt hätte. Ich hatte zwei gute Jahre. Das Management sagte, dass sie beabsichtigen, mich in der folgenden Saison als NHL Goalie zu haben. Und dann wurde im Sommer das gesamte Management gefeuert, vom GM hinab alles bis zu den AHL Trainern. Diese beiden Umstände brachten mich in schwierige Situationen, um einen guten Vertrag zu kriegen, ich erhielt von diesem Zeitpunkt an nie wirklich eine weitere gute Chance.
Ist es für einen Goalie einen grossen Unterschied zwischen dem nordamerikanischen und dem Schweizer Eishockey?
Ja. Ich denke, der Hauptunterschied ist die Grösse des Eis, die Winkel und die Art wie gespielt wird, wegen der anderen Eisgrösse. Nordamerikanisches Hockey ist ein engeres, mehr physisch geprägtes Spiel. Das hier ist mehr ein kluges, technisch visiertes Spiel. Aber es ist an beiden Orten grossartig. Und das Exhibitionsspiel der New York Rangers hier in der Schweiz zeigte, dass die NLA eine sehr gute Liga ist.
Speziell für dich in Ambri ist, dass der Chefcoach, Kevin Constantine, ebenfalls Torhüter war. Macht es das für dich einfacher oder schwieriger, oder spielt es keine Rolle, dass dieser Coach mehr über deine genaue Arbeit weiss, als es vielleicht andere Trainer tun?
Ich denke, da kommen mehrere Dinge zusammen. Constantine ist ein sehr defensiv ausgerichteter Coach. Und dies kann einem Torhüter helfen. Ich kenne sein System und mag es. Und das macht es für mich einfacher, herauszufinden, welche Möglichkeiten der Gegner zum Toreschiessen erhalten wird. Ich denke auch, dass er mich als Goalie kennt. Er ist ein guter Lehrer, der eigene Wege findet, mich und die anderen Spieler zu motivieren und zu fordern. Für ein Profiteam kann dies ein grosser Vorteil sein.
Auffallend war, dass du in deinen ersten beiden Penaltyschiessen mit Ambri nicht gerade sehr gut ausgesehen hast. Fünf von sechs Schützen haben dich bezwungen. In den nächsten beiden Penaltyschiessen aber pariertest du zehn von elf Penaltys und rettetest Ambri in beiden Spielen den Sieg. Gibt es dafür irgendeine Erklärung, oder war dies nur Zufall?
Ich glaube, es gibt für alles Gründe. Ich hinterfrage mich selbst bei jedem Fehler oder jeder Niederlage. Ich denke, ich spielte zu tief und spekulierte vielleicht auch zuviel in den ersten beiden Penaltyschiessen. Aber ich erhielt einiges Vertrauen zurück und vertraute meinen Bewegungen und Reflexen besser in den letzten beiden. Ich versuchte, den Schützen dazu zu bringen, die erste Bewegung zu machen, und ihnen die Möglichkeiten einzuschränken. Ich denke, das war ausschlaggebend für die Siege oder Niederlagen im Penaltyschiessen.
Möchtest du noch etwas mitteilen an alle Ambrifans?
Ich möchte nur Danke sagen für den Support! Ich weiss, dass es schwierig ist, wenn jemand Neues ins Team kommt, speziell nachdem ein guter Goalie wie Thomas schon so lange da gewesen ist. Aber die Fans empfingen mich mit offenen Armen, und ich hoffe, dass ich ihnen dies mit meinem Spiel und einer Playoffchance in dieser Saison danken kann.
Nolan, vielen Dank für dieses Interview!
Michael Derungs




















